Start Calvin Das Leben Calvins

Das Leben Calvins (Kurzabriss)

Johannes Calvin (1509 – 1564)

Meilensteine im Leben Calvins.

"Beliebt war er nie und am wenigsten in Genf: Aus Rache an ihrem sittenstrengen Reformator sollen viele Genfer Mitte des 16. Jahrhunderts ihre Hunde "Calvin" genannt haben. Vielleicht hätte der schüchterne Gelehrte bei seinen Studien bleiben sollen – und bei seinem Entschluss, nur eine Nacht in Genf zu verbringen."

So fängt Martin Franke in der Wochenzeitung "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt" vom 26.11.1999 einen Artikel über Johannes Calvin an. Die Zeitung porträtierte aus jedem der vergangenen 20 Jahrhunderte eine Persönlichkeit. Die Auswahl ist bemerkenswert. Der jüdische Rebell Bar Kochba vertritt das 2. Jahrhundert, der Kirchenvater Augustinus das fünfte. John Lennon steht für unser, Georg Friedrich Händel für das 18. Jahrhundert. Die Persönlichkeiten stammen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, aus Kirche und Politik, Kunst und Wissenschaft.

Jugend, Studium, Flucht

Johannes Calvin wird am 10. Juli 1509 in Noyon in der Picardie geboren. Sein Vater ist Notar des Domkapitels. Seine Ausbildung erhält er zunächst in Noyon und ab 1523 in Paris im College La Mace.

Er zeichnet sich durch Lerneifer, sittliche Strenge und Frömmigkeit aus. Er verlässt Paris 1528 als Magister der freien Künste und geht nach Orleans, um Rechtswissenschaft zu studieren. Nach Abschluss seiner juristischen Studien kehrt er 1532 nach Paris zurück und beschäftigt sich mit dem Studium der Literatur.

Er lernt die Reformation Martin Luthers kennen und wendet sich von der katholischen Kirche ab. Aus diesem Grund muss er Paris verlassen. Mit Zwischenstationen in Straßburg und Basel kommt er nach Genf. Hier gehört er zu den Gründungsvätern der Reformierten Kirche.

Calvin kommt nach Genf

Franke schildert: "Im Sommer 1536 muss Jean Calvin Frankreich verlassen. Schon anderthalb Jahre flieht er vor König Franz I., der Lutheraner und Humanisten auf den Scheiterhaufen werfen lässt. Während seines Studiums hat der 1509 im nordfranzösischen Noyon geborene Jurist zum evangelischen Glauben gefunden. Jetzt will er nach Straßburg im Elsass. Aber französische Truppen versperren ihm den Weg. So weicht er aus nach Genf. Dort war er bereits bekannt als Autor einer "Einleitung in die christliche Religion", die sich an Martin Luthers Katechismus anlehnt. Der Genfer Stadtpfarrer Guillaume Farel überfällt Calvin in seiner Herberge mit einem dringenden Ansinnen: Er möge ihm doch beim Aufbau einer evangelischen Kirche in Genf helfen. Doch Calvin lehnt ab. Als Farel durch Bitten nichts erreicht, flucht er: "Gott möge Calvins Ruhe und Studien verdammen, wenn er in einer so großen Notlage seine Hilfe versage!" Diese Worte erschütterten Calvin so, dass er, wie er selbst schreibt, "auf die beabsichtigte Reise verzichtete". Von dem Tag an hat Genf einen engagierten Reformator und Calvin eine lebenslange Aufgabe."

Hauptwerke

Ab 1535 lebt Calvin in Basel und schreibt ein Vorwort für die französische Übersetzung des Neuen Testaments. Schon 1536 erscheint dort die Erstausgabe seines Hauptwerks "Institutio" (Unterricht in der christlichen Religion). Calvin ist erst 27 Jahre alt. Als er im Sommer des Jahres - von Italien kommend - durch Genf reist, überredet ihn der dortige Prediger Guillaume Farel zum Bleiben. Doch Genf war für einen gründlichen Neubau des kirchlichen Wesens noch nicht reif. Calvin lebt zunächst einige Jahre in Straßburg.

Als Calvin sich der Theologie zuwandte, fand er den Protestantismus in dessen Frühentwicklung schon vor. Es war im Wesentlichen die Leistung Luthers, an die er anknüpfen konnte. Aber was Calvin tat, war doch keine einfache Übernahme dessen, was die deutsche Reformation ans Licht gebracht hatte. Calvin hat sich für seine Lehre allein auf die Schrift berufen, deren Mitte die Offenbarung Gottes in Jesus Christus ist. Diesem Zentrum der evangelischen Botschaft war alles untergeordnet. Calvin schrieb Kommentare zu allen Büchern der Bibel, ausgenommen die Offenbarung. Diese Kommentare haben Generationen der reformierten Kirche geprägt.Die Ordnung der Kirche

Der Artikel von Martin Franke über Calvin ist getitelt: "Zuchtmeister des Glaubens - Der Reformator Johannes Calvin führt in Genf ein sittenstrenges Regiment". Franke betont ein wenig zu sehr Calvins Strenge. Aber er zeigt sehr deutlich die Abhängigkeiten zwischen Kirche und politischem Stadtrat.

"Zum Osterfest 1538 befiehlt der Rat Calvin und Farel, allen Bürgern unterschiedslos das Abendmahl in beiderlei Gestalt auszuteilen, auch denen, die noch nicht den Kirchenreformern folgen wollen. Doch die beiden Theologen lehnen das Ansinnen ab. Die Situation eskaliert, als sie beschließen, nun gar kein Abendmahl mehr zu feiern. Erzürnt über dieses Missachtung verweist der Stadtrat seine Chefprediger der Stadt. Calvin interpretiert diese Ausweisung nur als Beurlaubung. Drei Jahre später haben sich die Machtverhältnisse im Rat zu Gunsten Calvins verändert. Seine Anhänger holen ihn von Straßburg, wo er Pfarrer der französischen Flüchtlingsgemeinde ist, zurück nach Genf."

"Knapp einen Monat nach seiner Rückkehr handelt Calvin mit dem Genfer Stadtrat eine Kirchenordnung mit vier kirchlichen Ämtern (Pfarrern, Lehrern, Ältesten und Diakonen) aus. Umstrittenes Zentrum dieser Ordnung ist das ‚Konsistorium’, in dem zwölf Älteste und neun Pastoren über die Lehre der Pfarrer und den Lebenswandel der Gemeindeglieder richten. Für Calvin ist dieses Gremium wichtig, weil es die Selbständigkeit der Kirche garantiert. Die Kirche dürfe nur von Gottes Wort, wie es in der Bibel steht, aber nicht von der weltlichen Obrigkeit geleitet werden. So hätte Calvin – im Unterschied zu deutschen Reformatoren – Landesfürsten niemals als Bischöfe anerkannt."

Kirchenordnung

Im September 1541 zieht Calvin nach Genf und legt dem Rat eine Kirchenordnung vor, in der vier Ämter vorgesehen sind: die Pastoren, die Lehrer, die Ältesten und die Diakone. Damit fällt dem Laienelement eine aktive und verantwortliche Rolle bei der Leitung der Gemeinde zu. Die Ältesten bilden gemeinsam mit den Pastoren ein Konsistorium, dessen Aufgabe es ist, die kirchliche Ordnung aufrecht zu erhalten und die Undisziplinierten zur Ordnung zu rufen. Es ist die Eigentümlichkeit der Genfer Kirche, und es wird die Eigentümlichkeit aller calvinistisch geprägten Kirchen sein, dass in viel stärkerem Maße als in dem zur Pastorenkirche tendierenden Luthertum das kirchliche Leben auf der Aktivität von "Laien" beruht. Für die Durchsetzung seines Gemeindeideals hat Calvin fünfzehn Jahre innerhalb des Genfer Stadtstaates kämpfen müssen.In einem Artikel der Wochenzeitung "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt" vom 26.11.1999 zeigt Martin Franke auf, dass Johannes Calvin (1509 - 1564) mit Martin Luther und Ulrich Zwingli zu den großen Reformatoren der Kirche gehört. Andererseits ist auch Frankes Darstellung der Person und des Wirkens Calvins nicht frei davon, bestimmte Einzelheiten zu überzeichnen.

Gott allein die Ehre

Mit wenigen Sätzen beschreibt Franke Calvins Persönlichkeit: "Das rastlose Arbeiten Calvins, seine Standfestigkeit und seine Intoleranz gegen andere Auffassungen sind nur durch sein Selbstbewusstsein zu verstehen. Er sieht sich als Diener Gottes. "Wir sind nicht unsere eigenen Herren, also darf bei unseren Plänen und Taten weder unsere Vernunft noch unser Wille die Herrschaft führen …", schreibt Calvin. Persönliches Glück oder Wohlbefinden sind für ihn keine Kategorien. … Im Gegensatz zu Luther schreibt Calvin kaum über sich selbst. Zu sehr fühlt er sich fremdbestimmt, getrieben von Gott, für dessen Ehre er arbeitet. Erkennbar ist dieser Gott nur in der Bibel."

Aus der "Institutio"

In seinem theologischen Hauptwerk, der "Christianae Religionis Institutio", erläutert Calvin den für seine Lehre zentralen Begriff der Erwählung oder Prädestination:

"Gott hat in seinem ewigen und unwandelbaren Ratschluss einmal festgestellt, welche er einst zum Heil annehmen und welche er andererseits dem Verderben anheim geben will. Dieser Ratschluss ist, das behaupten wir, hinsichtlich der Erwählten auf Gottes unverdientes Erbarmen begründet, ohne jede Rücksicht auf menschliche Würdigkeit. Den Menschen aber, die er der Verdammnis überantwortet, denen schließt er nach seinem zwar gerechten und unwiderruflichen, aber unbegreiflichen Gericht den Zugang zum Leben zu! ... Wie aber der Herr seine Auserwählten durch die Berufung und Rechtfertigung kenntlich macht, so gibt er den Verworfenen durch ihren Ausschluss von der Erkenntnis seines Namens und der Heiligung seines Geistes wie durch Zeichen bekannt, was für ein Gericht ihrer wartet."

Papirus Masson in seinen Elogen (Lobreden) über Calvin

"Kaum einen Tag ließ er vergehen, dass er nicht vor dem Volk eine Predigt über heilige Dinge hielt. Solange er lebte, las er dreimal in der Woche über Theologie, sehr fleißig schrieb er immer und überdachte etwas. Sein Körper war auffallend schwach, durch Wachen, Lektüre, Schriften. Nachsinnen, Predigten, Krankheiten und Ereignisse angegriffen. Er schlief sehr wenig und diktierte den größten Teil seiner Werke des Nachts von seinem Bett einem Hausgenossen, der ihm als Schreiber diente. Nur einmal aß er am Tage, indem er das für das wirksamste Mittel gegen die Schwäche seines Magens und die Schmerzen seines Kopfes hielt. Seine Kleidung war sehr gering, mehr um den Körper zu bedecken als ihn zu schmücken."

Ausweitung und Auswirkung

Calvin hat nachträglich das von Melanchton ausgearbeitete lutherische Augsburger Bekenntnis unterzeichnet. Calvins Bemühungen führen 1549 zu einer Übereinstimmung in der Abendmahlsfrage zwischen Genf und Zürich. Die Verständigung mit den deutschen Lutheranern misslingt. Noch einmal Franke:

"Calvin hat seine Reformation nie auf Genf beschränkt. Er will den Protestantismus in ganz Europa verbreiten. Sein Hauptwerk, die "Einführung in die christliche Religion", entwickelt sich vom schmalen Katechismus in 1536 zum dicken Wälzer in 1559. In Genf bildet er reformierte Prediger aus, die er nach Frankreich und Schottland schickt. Diesem Zweck dient auch die 1559 gegründete Genfer Universität. Auch nach England, Polen und Ungarn hat Calvin Kontakte.

Und tatsächlich gehört die calvinistische zu den wirkungsvollsten Reformbewegungen. Besonders das Widerstandsrecht, das religiös begründete Recht der Auflehnung gegen staatliches Unrecht, gewinnt Einfluss auf die Entwicklung neuer demokratischer Strukturen. Aber auch das demokratische Entscheidungsgremium in einer vom Staat unabhängigen Kirche – die Synode – gehört zum Erbe der calvinistischen Reformbewegung."

Theologie

In seiner Theologie ist er der Mann der zweiten reformatorischen Generation, der größte Schüler Luthers, dem er seine entscheidenden theologischen Erkenntnisse verdankt. Aber als Luther-Schüler ist Calvin zugleich der Theologe gewesen, der - wie keiner sonst - den Wittenberger Reformator verstanden hat und von seinem reformatorischen Ansatz her ein selbständiges und einheitliches theologisches System entworfen hat.

Ausgangspunkt seiner Theologie ist das Bekenntnis zur Allmacht Gottes, dem in unbedingtem Gehorsam die Ehre gegeben werden muss. Daraus ergibt sich seine Lehre von der doppelten Prädestination (Erwählung). Insbesondere in der Abendmahlslehre, in der er die Gegenwart Christi im Geist vertrat und Brot und Kelch lediglich zeichenhaft verstand, unterscheidet er sich von Martin Luther.

Ein unbekanntes Grab

"Wie erfolgreich die Bemühungen um eine vom Staat unabhängige Kirche sind, zeigt die Gründung der ersten reformierten Untergrund-Gemeinde in Frankreich 1555. Schon vier Jahre später findet trotz Verfolgungen die erste Nationalsynode reformierter Gemeinden Frankreichs statt."

In diesem Jahr 1559 verfasst der Wallone Guido de Bres das Niederländische Glaubensbekenntnis in französischer Sprache (das Bekenntnis steht in unserem Gemeindebuch von 1977, Seite 86 – 120). Es handelt in seinem vorletzten Artikel ausführlich über die Aufgaben von Staat und Regierung. Die Kirchen der Abscheidung sind von diesem Bekenntnis geprägt, besonders von dem Artikel 29 über die wahre und falsche Kirche. 1567 erleidet de Bres für dieses Bekenntnis den Märtyrertod im französischen Valenciennes.

"Geschwächt von Krankheiten und übermäßiger Arbeit stirbt Jean Calvin am 27. Mai 1564. Da nur Gott die Ehre gebühre, wollte Calvin keinen Grabstein. So ist sein Platz auf dem Genfer Friedhof bis heute unbekannt."

Aktualisiert (Samstag, den 03. April 2010 um 23:13 Uhr)