Start Reformierte Texte Luther Vom unfreien Willen erklärt Kettling Aufsatz über Luther's Schrift "Vom unfreien Willen"

Kettling Aufsatz über Luther's Schrift "Vom unfreien Willen"

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Kettling Aufsatz über Luther's Schrift "Vom unfreien Willen"
ABC des Glaubens
Sind wir evangelisch?
Christus allein
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Die Schrift allein
Unfreier Wille
Herkules am Scheideweg
Der gerittene Mensch
Freiheitswahn
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Ich glaube, dass ich nicht glauben kann
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Christliche Ethik
Befreiter Wille
Erwählung
Heilsame Erwählung
Erwählung in Jesus
Schluss
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Ein Aufsatz von Siegfried Kettling aus: Luther und der Pietismus 1983 Brunnen Verlag mit freundlicher Genehmigung des Autors (erteilt 2001)

Einführung

Vom unfreien Willen", das ist der Titel einer Streitschrift Martin Luthers. Welchen Rang hat dieses Buch von 1525 in den über 100 Bänden der großen Weimarer Werkausgabe (WA), welcher Stellenwert gebührt ihm?

Als die Freunde Capito und Butzer 1527 „Luthers gesammelte Werke" herausgeben wollten, da zeigte sich der Reformator sehr kritisch. Sein Wunsch war, die Bibel solle studiert werden, seine Furcht (Luther war zweifellos der Bestseller-Autor seiner Zeit!), man könne statt dessen Luther lesen. Er antwortete:

Ich wünschte, dass sie (meine Schriften) alle verschlungen würden. Denn ich erkenne keins als mein rechtes Werk an, außer etwa das „Vom unfreien Willen" und den Katechismus" (LD X, 262).

Warum gerade diese beiden? Der Katechismus bietet die Position, das Ja, der „unfreie Wille" die Negation, das notwendige nein. Beide entsprechen sich wie ein Gussstück und seine Hohlform oder wie ein Foto und sein Negativ: Was beim Foto leuchtend hell erscheint, ist beim Negativ tief schwarz. Die Gnade ins Licht rücken, das heißt, den „freien Willen" ins Dunkel zu bannen. Beides ist untrennbar, beides bedingt sich. So geht es beim „unfreien Willen" um den Kern der Sache im Unterschied zu all den Fragen über das Papsttum, das Fegefeuer, den Ablass..., die mehr „Lappalien, als wirkliche Probleme sind" (LD 332/CI 292). Wohlgemerkt: Wo es um die Grundfrage der Reformation geht--nämlich um die Rechtfertigung des Sünders vor Gott -, da sind Ablass oder Papsttum nichts als „Lappalien", „unnützes Zeug" (MÜ 248); die Frage nach dem unfreien Willen dagegen ist der Angelpunkt! Hier ist das Zentrum, alles andere bloß Peripherie.

Hans Joachim Iwand formulierte zugespitzt so: „Wer diese Schrift nicht aus der Hand legt mit der Erkenntnis, daß die evangelische Theologie mit dieser (!) Lehre vom unfreien Willen steht und fällt, der hat sie umsonst gelesen." (Mü 253). Und ein jüngerer Lutherforscher, K.Schwarzwäller sagt: „Keine Schrift davor oder danach hat das Evangelium in solcher Konzentration und mit derart unausweichlichem Nachdruck zur Geltung gebracht... Denn Luther stellt hier in unüberbietbarer Schärfe die theologische Wahrheitsfrage".



Aktualisiert (Freitag, den 16. April 2010 um 00:32 Uhr)