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Kohlbrügge 3.Mo.9,1-14

Vorbemerkung

Die folgenden Predigten sind nicht vor ihren Vortrag aufgeschrieben, sondern erst während dessen von Freundes Hand zu Papier gebracht worden, was der Leser bei der Beurteilung derselben berücksichtigen wolle.

Aarons erstes Opfer.

Erste Predigt gehalten den 22.10.1871, vormittags

Gesänge. 
Vor der Predigt Psalm 40 Vers vier und fünf
Text:
Nein Dir, o Herr, gefällt kein Trankopfer mehr. Drum sieh, ich komm und mach's bekannt. Die Bücherroll in meiner Hand, sie zeugt von mir und eines Namens Ehr. Dein Name soll auf Erden an mir verherrlicht werden! Was du willst, tu ich gern! Mein Gott, ich trage stets im Herzen Dein Gesetz, mein Amt ist ganz des Herrn.
Ich rede laut von der Gerechtigkeit und tu sie der Gemeinde kund.
Nichts, nichts verschließt meinen Mund. Du weißt es, Herr, du siehst mich allezeit. Soll ich dein Recht verhehlen? Heil, Wahrheit nicht empfehlen? Nein, es werde offenbar Dein ganzer Liebesrat! Was Gnade und Wahrheit tat, das stelle ich Jedem dar!

Zwischengesang: Lied 31 Strophe 4
Schlussgesang Psalm 110 Vers 4 und 7

Predigttext: 3. Mose Kapitel 9.1-14


In dem Herrn Jesu Christo heilige und geliebte Gemeinde!

Was wir soeben gesungen haben, wollen wir auch aufschlagen in der Bibel also Lesen wir Psalm 40 Vers 5 bis 11: „Herr, mein Wort, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest. Dir ist nichts gleich. Ich will sie verkündigen und davon sagen, wie wohl sie nicht zu zählen sind. Opfer und Speisopfer gefallen Dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. Da sprach ich: Siehe, ich komme, im Buch ist von mir geschrieben. Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz habe ich in meinem Herzen. Ich will predigen die Gerechtigkeit in der großen Gemeinde; siehe ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen, Herr, das weißt du. Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen, von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich; ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde.“ Das sind Worte unseres Herrn Jesu Christi, der auftritt, um zu sein das einzige Opfer, in welchem allein wir vollendet werden. Durch diese Worte sind Moses Opfer alle zunichte gemacht und abgeschafft, und es wird gepredigt ohne Decke die Gerechtigkeit, worin ein armer Sünder allein vor Gott gerecht ist. Meine Teuersten, wenn wir das nun gut kennen aus Erfahrung, dann können wir diese Opfer Moses von einer anderen Seite betrachten, nicht mehr als Opfer, die Versöhnung anbringen, sondern als Bilder des einzigen Opfers, das und versöhnt und wenn wir diese Bilder betrachten und ausgelegt bekommen, haben wir in denselben ein Evangelium, um zu staunen, im Staube anzubeten und auszurufen: „Herr, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweist.“
Vorgestern frug mich ein Theologe nach der Bedeutung etlicher dieser mosaischen Bilder. Ich legte ihm dieselben gestern aus, dachte aber, das kann und muss auch der ganzen Gemeinde zu Nutzen und Trost gereichen, auf dass die Hausvätern und Hausmütter beim Lesen des Alten Testaments Antwort geben können, wenn die Kinder fragen, „was bedeutet das?“ Oder dass ein jeglicher, wenn es ihm gedeutet wird, beim Lesen der Schrift Trost und Stärkung habe. Schlagen wir diesmal auf 3.Mose 9. Wir haben daselbst Aarons erstes Opfer. Der Herr wollte dem Volke Israel seine Herrlichkeit erscheinen lassen, seine Herrlichkeit das ist seine Gnade, sein Wohlgefallen an Menschen. Wir ermangeln der Ehre oder der Herrlichkeit, welche wir vor Gott haben sollten; nun kommt aber Gott mit seiner Herrlichkeit zum Trost, um solche Herrlichkeit auf sein Volk zu legen, wie der Herr Jesus sagt: „Ich habe Ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast.“ (Johannes 17, 22). Diese Offenbarung der Herrlichkeit Gottes muss einen Grund und Boden haben, worauf Gott seine Herrlichkeit seinem Volke offenbaren und demnach auf das Volk legen kann.

In diesem neunten Kapitel nun haben wir diesem Grund. Der Grund ist dieser: Der Hohepriester versöhnt sich und sein Volk durch ein Opfer, ein Sündopfer und ein Brandopfer, darin ist denn das Volk von endet. - dieses wünschen wir in der Morgenstunde zu behandeln. In der Abendstunde aber behandeln wir das Opfer, welches der Hohepriester für das Volk brachte und was dann die Folge und die Frucht von all diesen ist, wenn ich die Offenbarung des Herrn, dass ein Jauchzen entsteht im Lager der Hebräer und alle anbeten im Staube.
Was nun das Opfer des Hohenpriester angeht, um sich und das Volk zu versöhnen, so wird uns dasselbe in den Worten unseres Textes, Vers 1 bis 14 vor Augen gehalten.

Ich bitte euch, meine teure Gemeinde dass ihr das Bibelblatt vor Augen halten wollt. Ich kann nur kurz andeuten, was diese Bilder die uns der Text vor Augen führt - denn es sind alles Bilder - sagen wollen.

Der achte Tag, Vers 1 ist der Tag des neuen Testaments, der Tag der Erfüllung alles dessen, was die Propheten von Christo zuvor gesagt gesagt haben. Moses ist ein Bild des Mundes Gottes, das Wort der Gnade, das aus dem Munde Gottes geht, der Offenbarung des ewigen Ratschluss Gottes. Dieser Mund redet zu Aaron, das ist für den Hohepriester Christus, wovon Aaron der Hohepriester ein Bild war. Die Söhne Aarons, das sind die Söhne Christi, die Kinder Christi wie der Herr Jesus sagt bei den Propheten: „Siehe, ich und die Kinder die mit der Herr gegeben hat,“ also alle Kinder Gottes, alle Gläubigen des Herrn Jesu, welche aus ihm geboren sind. Die Ältesten in Israel sind die Vorgänger der Gemeinde.

Das Wort spricht zu Aaron, Gott der Vater spricht zu Christo: „Nimm zu dir“ (Vers zwei) das ist nimm an dich, nimm auf dich das Opfer, das du in dem ewigen Friedensrat freiwillig auf dich genommen hat. Das erste Opfer ist ein Sündopfer, das andere ein Brandopfer. Im Hebräer Brief steht einfach statt Sündopfer: Sünde. Und statt Brandopfer: Etwas das ganz in die Höhe geht. Also nimm an dich die Sünde, und nimm an dich, dass alles verbrannt werde, alles auffahren in den Flammen.

Ein junges Kalb ist ein unglückliches Tier für soviel ist es von der Mutter weggenommen ist, wie wir von dem Bilde Gottes weg sind. Ein solches junges Kalb will nichts, kann nichts, vermag nichts, kennt nichts und taugt zu nichts. Also ist das Kalb ein Bild der menschlichen Natur, wie sie durch den Sündenfall geworden ist. Sie will nichts, kann nichts, kennt oder weiß nichts, ist unvermögend, ist nichts Wert, es ist alles Sünde. Also nimm diese Sünde an dich, auf dich. Das Brandopfer ist ein Widder. Der Widder ist ein Bild der menschlichen Kraft, welche wir meinen zu haben. Also nehmen diese vermeinte menschliche Kraft, sie ist auch Sünde; denn sie tut nicht den Willen Gottes und kann nicht den Willen Gottes tun; sie ist im Geistlichen hoch unvermögend, für wie stark sie sich auch hält, und taugt daher zu nichts. Nimm diesen Widder, lass diese menschliche Kraft an dich kommen und in dir hinauf gehen in den Flammen.

„Ohne Wandel“ sollen die Tiere sein nicht blind, nicht lahm, sondern geschickt, wozu Gott sie haben will. Die Tiere an sich sind nicht Sünde, sind ohne Schuld; das junge Kalb und der Widder habe nichts getan, was Strafe verdiente, sie sind ohne Schuld, wie Christus ist ein schuldloses, unbeflecktes Lamm; aber sie sollen hier Bilder sein der menschlichen Unbeholfenheit, welche Sünde ist, und der menschlichen Kraft, welche von Gott soll zunichte gemacht sein. So heißt es ferner Vers 3: „Rede mit den Kindern Israels“, das ist: Prediger es ihnen, dass sie es hören und vernehmen, was ihre Sünde ist: gräuliche, schmutzige, stinkende Wunden und Beulen; das bedeutet der Ziegenbock. Das sollen Sie bekennen und ihn annehmen zum Sündopfer, dass er als Sünde soll verbrannt werden.

Dann kommt ein Kalb und Schaf, beide eines Jahres alt, also in dem Alter da sie etwas vom Leben sollten genießen können; ohne Wandel, wie ich das schon ausgelegt habe. Das Kalb ist wiederum das unbeholfene Tier, das nichts kann, das nicht zum Fluge taugt und keine Milch gibt, dass nichts weiß, sondern geführt werden muss, es ist dumm und unbeholfen in jeder Hinsicht.

Das Schaf aber ist ein Tier, das ewig in der Irre geht, wenn es ohne Hirte ist; wie wir singen in Psalm 119: „Ich bin wie ein verirrtes und verlorenes Schaf.“ Also deine Sünde, o Volk, dass du so unbeholfen bist und zu keiner Arbeit taugst und dein Irrsal, dass du stets in deinem Herzen auf dem Irrwege bist und von Gottes Wege abweicht, das soll in Flammen hinausgehen als ein Brandopfer.

Und dann kommt weiter ein Dankopfer. Das ist, als wenn ich denke: ich möchte Gott alles geben, was ich habe, ich bin ihm alles schuldig, ich habe alles von ihm und gebe es ihn wieder, ich nehme es aus meiner Hand und lege es in Gottes Hand. Das ist ein Dankopfer. Zum Dankopfer soll das Volk bringen einen Ochsen und einen Widder. Der Ochse ist ja ein Tier voller Kraft damit kann man was ausrichten; damit kann man arbeiten, pflügen. Was kann man nicht alles mit einem Ochsen tun! Auch der Widder ist ein Bild der Kraft. Als alle Kraft, welche wir meinen zu haben sollen wir in die Flammen werfen, Gott wiedergeben, dass wir bekennen:

Mit unserer Kraft (wie stark sie auch meinen zu sein) ist nicht getan,
wir sind gar bald verloren.
Das streite für uns ein anderer Mann,
den Gott hat auserkoren.
Fragst Du, wer ist es?
Der Mann heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth,
und ist kein anderer Gott,
das Feld muss er behalten in (Luther – mein feste Burg).

Nochmals: das Volk ist wie ein Ziegenbock, ein stinkender geiler Bock, ist um und um Sünde. Auf den Altar damit. Das Volk ist ein unbeholfenes Kalb, ein junges bottes Kalb, es soll in die Flammen, auf den Altar.
Das Volk ist wie ein verlorenes, irregehendes Schaf, das soll auch auf den Altar in die Flammen. Du Volk meinst, du habest Kraft und wollest arbeiten, wollest sein wie ein Ochse: fleißig, gelehrig, gehorsam in allen Dingen, du meinst, du könntest der Sünde widerstehen, seist wie ein Ochse, ein Widder im Bilde. Der Ochse und Widder auf den Altar, und danke Gott, er wird deine Kraft sein und Deine Stärke, Dein Arbeitgeber und Dein Arbeiter; er wird dich stärken, dass du, so schwach wie Du Dich erkennst dennoch sagen kannst: in dem Herrn Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke; und: wenn ich schwach bin dann bin ich stark.

Es soll das Volk weiter ein Speisopfer bringen, das ist ein Geschenk, dem Herrn, um es anzuerkennen, wenn wir am Tische sitzen. Dass der Tisch gedeckt ist, das ist alles Gottes gnädige Gabe; „aller Augen warten auf dich, oh Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit.“ Aber das anerkennst du gewöhnlich nicht, sondern du denkst an Essen und Trinken, wo nicht ans Fressen und Saufen, und versteht nicht, dass der Herr und seine heiligen Engel mit am Tische gegenwärtig sind, auf dass du die Gabe Gottes heiligst; vielmehr schlingst du die Speisen hinunter, verdirbst Dir den Magen und erkennt es nicht an. Ich bin nicht das Schwarzbrot, nicht ein Tropfen Wassers wert um meiner vielen Sünden willen, Du murrst über das Essen, wenn nach Deinen launigen Geschmack nur etwas daran fehlt und versteht nicht, wer dich ernährt und erhält in seiner Güte. Bring das alles vor Gott und anerkenne es im heiligen Geiste, der bezeichnet wird durch das Öl, womit das Speisopfer gemengt wird und lege so deine Speise auf den Altar, in die Flammen, so will ich dich speisen. Aber tue es in Geist und Wahrheit, dass du demütigen Geistes das anerkennst: Ich bin es nicht wert; es ist alles die Gnade Jesu Christi, dass ich als ein Kind aus seiner Hand esse und trinke.
In Vers fünf lesen wir: „und sie nahmen es.“

Streiche das sie aus und schreibe dafür: ich. Ich nehme es. Nimm es so an als Gottes Verordnung. Sie nahmen, was Mose geboten hatte, was also Gottes Wort gelehrt vor der Tür der Hütte des Stifts, das ist in der Gemeinde, der christlichen Kirche, außer welcher kein Heil ist, das ist die Gemeinde, wo Gott sich offenbart. Denn dazu kommt die Gemeinde zusammen, um gemeinschaftlich aufgrund dieses Opfers zu harren auf die Erscheinung der Herrlichkeit des Herrn. Und da stand nun die Gemeinde vor dem Herrn, alles Alt und Jung, Eltern und Kinder. So schuldig, sündig und unheilig wie sie waren; denn sie hatten gehört: du bist ein Kalb, ein Schaf, ein Ziegenbock und dein Ochs und Dein Widder soll nicht vor Gott leben. Wie geschieht es, dass sie so kommen? Der Heilige Geist treibt sie um, in dem Opfer des Hohenpriesters den Grund zu erkennen, dass der Herr ihnen nun erscheinen werde in seiner Gnade. Es stand die Gemeinde vor dem Herrn als vor ihrem Richter und hoffte auf Erbarmen, wir lesen und singen:

Ich hoffe auf dein erbarmen
und meine Seele harret:
oh Gott, du hast den Armen
dich oft geoffenbart.
Ach! Bleib mir nicht verborgen!
Im Finsteren sehn ich mich
wie Wächter nach den Morgen.

In Vers 7 lesen wir: „Und Mose sprach zu Aaron“ Gottes Befehl und Wort für den Hohepriester Jesus Christus - „Tritt zum Altar und mache Dein Sündopfer und Dein Brandopfer.“ Das lautet wie wir singen:
er sprach zu seinen lieben Sohn:
nun ist Zeit zum Erbarmen.
Fahr hin, meines Herzens bewährte Kronen,
uns sei das Heil der Armen!

Das ist: Tritt zum Altar! Komm herab aus dem Himmel, aus deiner Freude, und mache dich an das Kreuz, das du nunmehr meinen Bitten tust und stirbst für das Volk am verfluchten Holz des Kreuzes, und gen Himmel fahren und in den Flammen meines Zornes und meiner Liebe.

Dann lesen wir weiter in diesen Verse: „und versöhne dich und das Volk.“ Erst also: persönlich. Das gilt nur von dem Hohepriester des Alten Testaments; denn da Alles, die ganze Einrichtung des Gottesdienstes Sünde war, musste er als alles, eines nach dem anderen versöhnen; aber da er nicht Hohepriester war nach der Ordnung Melchisedek, musste er endlich aufhören und blieb selbst übrig als Sünde. So musste er versöhnt werden. Von Christo aber bedeutet dieses „versöhne dich“: Schlage dich in der Person des Volkes, welches ich dir gegeben habe, durch meinen Zorn, durch alle Gewalt des Teufels, durch die Verdammung des Gesetzes hindurch, nimm so dein Volk auch mit hindurch. Daher sind es liebliche Worte: „Darnach mache des Volkes Opfer und versöhne sie auch, das ist nachdem du im Großen und Ganzen alles im Opfer wiedergebracht hast, alsdann wollest du als Bürge, Stellvertreter und Fürsprecher auf ewige Zeiten sein und bleiben des Volkes Hohepriester, wie du es warst auf Golgatha.

Im Vers 8 lesen wir: „und Aaron trat zum Altar, und schlachtete das Kalb zu seinem Sündopfer.“ Also Aaron gehorcht und Christus gehorcht. Wie Aaron zum Altar tritt, so geht Christus ans Kreuz. Wie wir singen:
der Sohn darauf Gehorsam ward,
er kam zu uns auf Erden,
an einer Jungfrau rein und zart,
mein Bruder wollt erwerben.
Gar heimlich führt er sein Gewalt,
erging in armer Knechtsgestalt,
den Teufel wollt er fangen

Also Aaron trat zu dem Altar und schlachtete das Kalb, das ist diese ganze Menschlichkeit und Unbeholfenheit: „Ich kann Nichts, ich will Nichts, ich weiß nichts, ich vermag Nichts, ich tauge zu Nichts,“ nimmt er an sich, und mit dem Schwert des Glaubens und des Gehorsams haut er durch, tötet er an sich und in sich, dass er lauter Schwachheit gewesen ist, wie wir lesen und bei dem Apostel, dass er gekreuzigt ist in der Schwachheit.
In Vers 9 lesen wir: „und seine Söhne brachten das Blut zu ihm,“ das Blut des Sündopfers. Seine Söhne sind alle seine Kinder, die Gläubigen. Sie kommen zu Ihrem Hohepriester – womit? Was bringen alle Kinder des Herrn Ihrem Hohepriester? Sie bringen, was allein vor Gott gilt, das Blut des Opfers. Das bringen alle seine Kinder, mehr haben sie nicht zu geben und zu bringen. Etwas anderes wollen sie nicht und etwas anderes nimmt er auch nicht an, einen anderen Grund will er nicht. Also die Söhne bringen den Hohepriester Jesu Christi das Blut des Opfers, das ist, sein eigenes Blut, und der Hohepriester tunkt mit dem Finger in das Blut, das ist unser Hohepriester Jesus Christus nimmt in Kraft des Heiligen Geistes – denn der Finger bezeichnet den Heiligen Geist – von seinem Blut und sprengt siebenmal damit auf den Altar, an die Hörner des Altars, dass der Altar um und um geheiligt und versöhnt werden mit seinem Blut. Was uns zu gut kommt, auf dass wir die Gnade, Barmherzigkeit, Treue, den Ruhm und die Ehre Gottes ergreifen und da unsere Rettung finden. Und weiter goss er das Blut an des Altars Boden. Also gießt Christus sein ganzes Leben und danach Wasser und Blut auf seiner Seite aus an den Boden des Kreuzes, dass die Erde sein Blut trinkt und alle versöhnt wird.

Nun Vers 10: Meine Lieben, ich hoffe ihr seht nach in der Bibel, auf dass es auch ein ewiger Trost sei für Euer ganzes Leben und bis zum letzten Stündlein! - Da kommt nun also das Fett. Darin ist die Kraft alles Denkens und alles Handelns; dann ist es auch das Gegenteil vom Heiligen Geist.

Ferner kommen die Nieren, diese sind Sitz aller Begierden und aller Gesinnungen, sie sei gut oder böse. In den Nieren steckt Verstand zu unterrichten, alles Gefühl, feines und grobes. Die Leber ist der Sitz der Wärme, und demnach der Sitz der Lust, der seit Fleischeslust oder Lust nach Gott hin. Diese Leber wird gedeckt und zusammengehalten durch ein Netz. Unser Hohepriester hat ohne Sünde an sich genommen unser Fett, unsere Nieren, unsere Leber mit dem Netz das ist: Alles was in uns ist von Gottlosigkeit und Fleisches Frömmigkeit, all unser Dichten, Denken und Tun, unsere Lust und unserer Begierden. Worauf wir so stolz sind. Das alles nimmt er an sich und wirft das alles samt und sonders ins Feuer. Er will nicht Fett haben, will nicht fett sein, sondern will vom Heiligen Geiste getragen werden; er will nicht begehren, nicht wissen - „wer ist so blind wie mein Knecht und so taub wie mein Auserwählter?“ 

Er will von dem Vater gelehrt und geleitet sein. Er will nicht Wärmer haben; alle seine Wärme soll in der Liebe des Vaters liegen also ins Feuer damit! - nun kommt Vers 11: „das Fleisch und das Fell .“ Das ist der äußerliche Mensch wie er äußerlich in Erscheinung tritt. Dieses Fleisch und Fell verbrannte der Hohepriester mit dem Feuer und zwar außerhalb des Lagers. Christus läßt sein Fleisch und Fell, lässt sich wie er äußerlich in Erscheinung tritt, in den Tod gehen, in den Flammen des Zorns Gottes aufgehen und zwar außer dem Tor auf Golgatha, da er gelitten und unsere Schmach auf sich genommen hat.

In Vers 12 lesen wir weiter: „Danach schlachtete er das Brandopfer.“ Alles was von Kraft ist soll aufegehen in den Flammen. Ich kann eine merkwürdige Kraft entwickeln in einer Werkstätte, aber wenn ich nicht weiß, wie das Ding behandelt werden soll, dann werde ich mit meiner großen Kraft alles schön verderben. Also meine Kraft muss weg, alles soll verbrannt werden und die Kinder Gottes erkennen es an, dass alle Kraft Jesu Christi, die Kraft seiner Auferstehung, von Gott dem Vater ausgeht auf den Hohepriester, um alle zu heiligen welche der Vater zu ihm bringt.

Aarons Söhne bringen das Blut des Brandopfer zu ihm. Die Kinder Gottes bringen zu ihrem Hohepriester das Blut, worin sie anerkennen, wie er für sie gelitten hat und wie er für sie gekreuzigt worden ist in der Schwachheit, und wie allein in seinem Blute Kraft liegt für die Schwachen, die in sich selbst nicht können noch vermögen. Darum bringen sie auch zu ihm das Brandopfer zerstückt, dass also alle Kraft zerbrochen daliegt. Ferner bringen sie den Kopf, worin die Regierung des Ganzen ist. Also die Kraft soll zerbrochen werden und in Flammen aufgehen, und der Kopf auch; denn alles Regieren soll der Souveränität Gottes anheim fallen, dass Gott souverän ist und bleibt, Christus unser Haupt, Christi Haupt aber Gott.

Und er wusch das Eingeweide und die Schenkel, nämlich das Brandopfer. In dem Eingeweide, dem edlen Eingeweide; ja, was liegt da nicht drin! Das sind die zartesten Dinge; daraus geht hervor alles Mögliche von Liebe und Erbarmen, von Guten und von schlechten Begierden. Das Eingeweide wird getragen von den Schenkeln, worin also die Kraft ist, um stehen zu bleiben. Das wird beides gewaschen.
Der Herr Jesus sagt: „ich habe dein Gesetz in meinem Herzen.“ Das ist nach dem Hebräischen: in meinem Eingeweide. Das Eingeweide bedeutet die zarten und die zartesten Gefühle und Empfindungen. Dennoch taugen sie nicht, sondern sie sollen gewaschen werden mit dem Heiligen Geist. Sie sollen durch den Heiligen Geist geheiligt werden, um dann aufzugehen in den Flammen. Ans Kreuz also schlägt unser Hohepriester alles, was wir nicht für Sünde, sondern was wir für schöne Gestalt und Tugend halten. Ans Kreuz schlägt er alles, was der Herr Jesus Christus seine Güte nennt, wie er sagt in Psalm 16: „Meine Güte reicht nicht an dich,“. Das ist: damit kann ich dich nicht erreichen. Also der Kopf, Eingeweide und Schenkel, Fett, Nieren und Leber, samt dem Netz auf der Leber, sowie der Widder, - das ganze Brandopfer geht auf in den Flammen. Christus brachte alles, was er ist, vor Gott den Vater, um vor Gott ein solches Opfer zu sein, das in sich nichts hat und dennoch alles hat durch den Befehl Gottes: Verbrennt es! Schlachte es! Lasst es sterben und zunichte werden! Wie das denn? Ja, ich will Euch erscheinen mit meiner Gnade. Also das Eure alles muss fort. Der Herr Jesus nimmt es auf sich, alle eure Sünden und was ihr Gerechtigkeit nennt und geht damit ans Kreuz und von dem Kreuze in den Himmel und so kommt dann von den Himmel die Offenbarung ewiger Herrlichkeit. Wohl uns, wenn Gott und die Gnade seines Geistes gibt, Solches ist in einem ehrlichen Herzen aufzubewahren, dass wir uns des Herrn und seine Gnade freuen mit herzlicher Freude!

Amen!

Aktualisiert (Dienstag, den 20. April 2010 um 23:51 Uhr)