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Taufe - Kapitel 4-8

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Taufe
Kapitel 4-8
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Noch eine zweite Frucht gewährt uns die Taufe, weil sie uns nämlich unsere Abtötung (mortificatio) in Christus und das neue Leben (nova vita) in ihm zeigt. Denn wir sind, so sagt Paulus, „in seinen Tod getauft“, „mit ihm begraben in den Tod“, um nun „in Neuheit des Lebens unseren Wandel zu führen“ (Röm. 6,3f.). Mit diesen Worten ermahnt uns der Apostel nicht bloß zur Nachfolge Christi, als ob er etwa sagte, wir würden durch die Taufe dazu ermuntert, nach dem Vorbild des Sterbens Christi unseren Begierden zu sterben und nach dem Beispiel seiner Auferweckung zur Gerechtigkeit aufzuerstehen. Nein, er geht der Sache tiefer auf den Grund, indem er darauf hinweist, daß uns Christus durch die Taufe seines Todes teilhaftig gemacht hat, so daß wir in solchen Tod eingeleibt werden (Röm. 6,5). Und wie der Zweig seine Substanz und seine Nahrung aus der Wurzel zieht, in die er eingeleibt ist, so erfahren auch die, welche die Taufe mit dem ihr zukommenden Glauben annehmen, in Wahrheit die Wirkkraft des Todes Christi in der Abtötung ihres Fleisches und zugleich die Wirkkraft seiner Auferstehung in ihrer Lebendigmachung durch den Geist (Röm. 6,8). Von da aus nimmt Paulus auch den Anlaß zu einer Ermahnung: sind wir Christen, so müssen wir auch der Sünde „gestorben sein“ und „der Gerechtigkeit leben“ (Röm. 6,11). Den gleichen Beweis verwendet er an anderer Stelle, indem er schreibt, wir seien „beschnitten“ und hätten den alten Menschen ausgezogen, nachdem wir „durch die Taufe mit Christo begraben“ sind (Kol. 2,11f.). In diesem Sinne hat er die Taufe an der oben bereits angeführten Stelle auch als „Bad der Wiedergeburt und Erneuerung“ bezeichnet (Tit. 3,5). Es wird uns also in der Taufe zunächst die gnadenweise Vergebung der Sünden und die Zurechnung der Gerechtigkeit verheißen und alsdann die Gnade des Heiligen Geistes, die uns zu neuem Leben umgestaltet.

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Schließlich empfängt unser Glaube aus der Taufe auch den Nutzen, daß sie uns mit Gewißheit bezeugt, daß wir nicht nur in Christi Tod und Leben eingeleibt, sondern auch selbst dergestalt mit Christus geeint sind, daß wir aller seiner Güter teilhaftig werden. Denn dazu hat er die Taufe an seinem eigenen Leibe geweiht und geheiligt (Matth. 3,13-17), daß er mit uns gemeinsam an ihr teilhätte und sie nun das festeste Band der Einung und Gemeinschaft darstellte, die er mit uns einzugehen sich herabgelassen hat. Daher beweist Paulus daraus, daß wir in der Taufe „Christum angezogen“ haben, den Satz, daß wir Gottes Kinder sind (Gal. 3,26f.). So sehen wir, daß die Erfüllung der Taufe in Christus liegt: ihn nennen wir aus diesem Grunde auch im eigentlichen Sinne den, an dem die Taufe hängt (proprium fidei obiectum). Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Apostel nach unseren Berichten auf seinen
Namen getauft haben (Apg. 8,16; 19,5), obwohl ihnen doch die Weisung geworden war, auf den „Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen (Matth. 28,19). Denn alles, was uns in der Taufe an Gaben Gottes vorgelegt wird, das kann man allein in Christus finden. Doch kann es nicht anders sein, als daß der, der auf Christus tauft, zugleich auch den Namen des Vaters und des Heiligen Geistes anruft. Denn wir empfangen die Reinigung durch das Blut Christi darum, weil der barmherzige Vater uns in seiner unvergleichlichen Freundlichkeit zu Gnaden hat annehmen wollen und dazu diesen Mittler zwischen sich und uns gestellt hat, damit er uns bei ihm Gunst erwirkte. Die Wiedergeburt aber empfangen wir aus Christi Tod und Auferstehung nur dann, wenn wir, durch den Geist geheiligt, mit einer neuen, geistlichen Natur erfüllt werden. Daher steht es so, daß wir die Ursache unserer Reinigung wie unserer Wiedergeburt im Vater, ihren Wirkgrund in Christus und ihre Wirkung im Heiligen Geiste erlangen und gleichsam in Unterschiedenheit anschauen. So hat zuerst Johannes, so haben alsdann auch die Apostel mit der „Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“ getauft (Matth. 3,6.11; Luk. 3,3.16; Joh. 3,23; 4,1; Apg. 2,38.41). Dabei verstanden sie unter „Buße“ solche Wiedergeburt und unter „Vergebung der Sünden“ jene Abwaschung (im obigen Sinne).

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Durch diese Darlegungen wird es auch völlig gewiß, daß das Amt des Johannes (nämlich des Täufers) durchaus das gleiche gewesen ist, wie es hernach den Aposteln zugewiesen wurde. Denn die verschiedenen Hände, von denen die Taufe verwaltet wird, machen die Taufe selbst nicht anders; nein, das Gleichbleiben der Lehre zeigt, daß auch die gleiche Taufe besteht. Johannes und die Apostel waren einhellig in einer Lehre, beide haben sie zur Buße, beide zur Vergebung der Sünden, beide auf den Namen Christi getauft, von dem die Buße und die Vergebung der Sünden kam. Johannes sagte von ihm: „Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt“ (Joh. 1,29), und damit erklärte er ihn für das Opfer, das dem Vater wohlgefällig ist, für den Erwirker der Gerechtigkeit und den Geber des Heils. Was hätten die Apostel wohl diesem Bekenntnis hinzufügen können?
Deshalb darf sich niemand dadurch irremachen lassen, daß sich die Alten Mühe geben, die Taufe des Johannes von derjenigen der Apostel zu unterscheiden. Denn die Männer der Alten Kirche dürfen bei uns nicht in solcher Wertschätzung stehen, daß dadurch die Gewißheit der Schrift ins Wanken gebracht wird. Wer wird wohl mehr auf Chrysostomus hören, der da erklärt, in die Taufe des Johannes sei die Vergebung der Sünden nicht eingeschlossen gewesen (Predigten zum Matthäusevangelium 10,1), als auf Lukas, der im Gegenteil behauptet, Johannes habe die „Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden“ verkündigt (Luk. 3,3)? Ebensowenig annehmbar ist die spitzfindige Meinung des Augustin, in der Taufe des Johannes seien die Sünden in Hoffnung vergeben worden, in der Taufe Christi dagegen erfolge eine tatsächliche Vergebung (Von der Taufe gegen die Donatisten V,10,12). Denn der Evangelist bezeugt klar und deutlich, daß Johannes in seiner Taufe die Vergebung der Sünden verheißen hat, und wie soll es unter solchen Umständen erforderlich sein, diese Aussagen abzuschwächen, wo doch kein Zwang dazu vorliegt?
Will aber jemand aus dem Worte Gottes erfahren, welcher Unterschied zwischen diesen beiden Taufen bestanden hat, so wird er keinen anderen finden als den, daß Johannes auf den taufte, der da kommen sollte, die Apostel aber auf den, der sich bereits offenbart hatte (Luk. 3,16; Apg. 19,4).

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Die Tatsache, daß nach der Auferstehung Christi die Gnadengaben des Heiligen Geistes reichlicher ausgegossen worden sind, hat nichts damit zu schaffen, daß man etwa eine Verschiedenheit der beiden Taufen behaupten könnte. Denn die Taufe,
die noch zur Zeit des Erdenwandels Christi von den Aposteln verwaltet wurde, ist als seine Taufe bezeichnet worden, und doch war mit ihr kein größerer Reichtum des Geistes gegeben als mit der Taufe des Johannes. Ja, selbst nach der Himmelfahrt wurden die Samaritaner, obwohl sie doch auf den Namen Jesu getauft worden waren, nicht über das gewöhnliche Maß hinaus mit dem Geiste begabt, das auch den früheren Gläubigen zuteil geworden war – bis Petrus und Johannes zu ihnen gesandt wurden, um ihnen die Hände aufzulegen (Apg. 3,14.17).
Nur eine einzige Tatsache hat nach meinem Dafürhalten die Männer der Alten Kirche zu ihrer Behauptung veranlaßt, die Taufe des Johannes sei nur eine Vorbereitung auf die Taufe der Apostel: sie lasen nämlich, Paulus hätte Leute, die die Taufe des Johannes schon einmal empfangen hatten, zum zweiten Male getauft (Apg. 19,3.5). Aber in was für einen Irrtum sie dabei geraten sind, das wird anderwärts an der dafür vorgesehenen Stelle aufs deutlichste auseinandergesetzt werden.
Was soll es nun bedeuten, wenn Johannes sagte, er taufe zwar mit Wasser, es werde aber Christus kommen, um mit dem Heiligen Geist und mit Feuer zu taufen (Matth. 3,11)? Diese Frage läßt sich mit wenigen Worten lösen. Denn Johannes hatte nicht etwa die Absicht, die eine Taufe von der anderen zu unterscheiden, nein, er verglich seine Person mit Christi Person und legte dar, wie er seinen Dienst mit Wasser tat, Christus dagegen der Geber des Heiligen Geistes war, der dann solche Kraft auch mit einem sichtbaren Wunder ans Licht bringen sollte, an dem Tage nämlich, als er den Aposteln unter feurigen Zungen den Heiligen Geist senden würde (Apg. 2,3). Was konnten nun die Apostel darüber (d.h. über das Amt des Johannes) hinaus beanspruchen? Was können auch die beanspruchen, die heutzutage Taufen vollziehen? Denn sie sind doch bloß Diener an einem äußerlichen Zeichen, Christus dagegen ist der Geber der inwendigen Gnade. So lehren es eben die gleichen Theologen der Alten Kirche selbst, und zwar vor allem Augustin, der sich in seinem Kampf gegen die Donatisten vornehmlich auf den Satz stützt, der Täufer möge sein, wer er wolle, so habe doch Christus allein bei der Taufe die Führung inne (Gegen den Brief des Parmenian II,11,23).

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Aktualisiert (Mittwoch, den 21. April 2010 um 00:25 Uhr)