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Schwierige Stellen

Unterricht in der christlichen Religion
Auszüge aus: Buch 4 - Kapitel 24 - Nr. 16
1.Tim 2,4 und ähnliche Stellen:


... bringt man eine Stelle aus Paulus hervor, in der er lehrt, daß Gott "will, dass allen Menschen geholfen werde" (1. Tim. 2,4).[ ]

Wenn man nun meint, es sei in Gottes Ratschluß festgesetzt, dass sie die Lehre des Heils (alle) erfassen solle, [ ] wie ist es dann gekommen, daß Gott viele Völker des Lichtes des Evangeliums beraubt, während andere es genossen. Wie ist es gekommen, dass eine reine Erkenntnis der Lehre der Gottseligkeit zu manchen nie gedrungen ist, und dass andere kaum dunkle Anfangsgründe von ihr geschmeckt haben? Daraus läßt sih nun sofort entnehmen, was Paulus mit jenem Wort eigentlich will. [ ] Damit macht Gott ganz gewiß nur dies eine deutlich, dass er keiner Art von Menschen den Weg zum Heil verschlossen, sondern seine Barmherzigkeit vielmehr dergestalt ausgegossen hat, dass nach seinem Willen niemand unberührt von ihr sein soll.

Die anderen Stellen (die man anführt) erklären nicht, was der Herr in seinem Urteil über alle Menschen festgesetzt hat, sondern sie verkünden allen Sündern, dass für sie Vergebung bereit ist, wenn sie nur umkehren, um sie zu suchen. Denn wenn man sich gar zu hartnäckig darauf versteift, dass es heißt Gott, wolle sich aller erbarmen, so werde ich demgegenüber darauf verweisen, dass es an anderer Stelle heißt: "Unser Gott ist im Himmel, er kann schaffen, was er will" (Ps.155,3). Dieses Wort muß also so ausgelegt werden, dass es mit dem anderen übereinkommt: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich" (2.Mo. 33,19). Wenn er die Menschen, denen er Barmherzigkeit widerfahren lassen will, auserwählt, - dann läßt er sie eben nicht allen zuteil werden! - Da es aber klar am Tage ist, dass es sich hier nicht um einzelne Menschen handelt, sondern um bestimmte Gruppen von Menschen handelt, so erübrigt sich eine längere Erörterung. Allerdings ist zugleich zu bemerken, dass Paulus nicht sagt, was Gott allezeit und allerorten und an jedem einzelnen tut, sondern es ihm frei überläßt, schließlich doch "Könige und alle Obrigkeit" der himmlischen Lehre teilhaftig zu machen, so sehr sie auch in ihrer Blindheit gegen sie wüten mögen.

Besonders kräftig scheinen sie uns durch eine Stelle bei Petrus in Bedrängnis zu bringen, die sie uns vorhalten; da heißt es: "(2Petr 3,9) ... er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, daß irgendwelche verloren gehen, sondern daß alle zur Buße kommen." Die Lösung bietet sich im zweiten Satzglied; denn es heißt, Gott wolle den Menschen zur Buße annehmen (gemäß der -1545 -Luther-Übersetzung), so kann dies doch nicht anders verstanden werden, als wie es sonst durchgängig gelehrt wird. Ganz gewiß liegt die Umkehr eines Menschen in Gottes Hand, und ob er alle bekehren will, das frage man ihn selbst, wo er doch wenigen verheißt, er werde ihnen ein fleischernes Herz geben, den anderen aber ihr steinernes beläßt (Hesekiel 36,26). Es ist freilich wahr: wenn er nicht bereit wäre, die Menschen anzunehmen, die ihn um seine Barmherzigkeit anflehen, dann würde das Wort seine Geltung verlieren: "Kehret euch zu mir, ...so will ich mich zu euch kehren" (Sach 1,3).

Aber ich sage eben: es naht sich kein sterblicher Mensch zu Gott, wenn ihm Gott nicht zuvorkommt. Stünde die Buße in der Entscheidung des Menschen, so würde Paulus nicht sagen: "(2Tim 2,25)..., ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit". Ja, wenn nicht derselbe Gott, der mit seiner Stimme alle zur Buße mahnt, die Auserwählten durch den Antrieb seines Geistes dazu brächte, dann würde Jeremia nicht sagen: "(Jer 31,18.18) Laß mich umkehren, daß ich umkehre, denn du, HERR, bist mein Gott. Denn nach meiner Umkehr empfinde ich Reue, und nachdem ich zur Erkenntnis gelangt bin, schlage ich mir auf die Lenden. Ich schäme mich und bin auch zuschanden geworden, denn ich trage die Schmach meiner Jugend."

Aktualisiert (Montag, den 19. April 2010 um 15:42 Uhr)